Auftakt-Veranstaltung für „Nie wieder Krieg!

Lesung mit Sophia Mott 

Foto 1: Dr. Barbara Peters (Förderverein Stadtbücherei und SI), Susanne Bolduan (Präsidentin SI Lauterbach-Vogelsberg), Autorin Sophia Mott, Petra Scheuer (Leiterin Stadtbücherei)

           

Die Veranstaltungsreihe „Nie wieder Krieg!“, die von Soroptimist International (SI) Lauterbach-Vogelsberg in diesem Jahr ausgerichtet wird, begann mit einer Lesung in der Stadtbücherei Lauterbach. Sophia Mott stellte darin ihr neues Buch vor, das sich Martha Liebermann widmet, der Frau und Witwe des Malers Max Liebermann. Im Foyer der Bücherei wurde es sehr eng, so groß war das Interesse am Thema und wohl auch an der Autorin, da diese aus der Region stammt und als Lehrkraft für Cello und Kontrabass in Lauterbach und Fulda tätig ist. In ihren einleitenden Worten bezogen sich sowohl Petra Scheuer, Leiterin der Stadtbücherei Lauterbach, als auch Susanne Bolduan, Präsidentin des SI-Clubs Lauterbach-Vogelsberg auf den übergeordneten Rahmen des Abends – „Nie wieder Krieg!“ - in dem die Lesung über das Schicksal Martha Liebermanns einen idealen Platz gefunden hatte. Petra Scheuer erinnerte dabei an die außerordentlichen Privilegien unserer demokratischen Gesellschaft, zu denen vor allem Presse- und Meinungsfreiheit gehörten, also die Freiheit des Geistes, die sich auch in Büchern niederschlage. Susanne Bolduan erläuterte das große Projekt des SI-Clubs, das mit seinem Motto „Nie wieder Krieg!“ offenbar den Nerv der Zeit getroffen habe: den Wunsch aller nach Frieden. Bis Ende September werden sich zahlreiche Veranstaltungen (darunter Vorträge und Konzerte) dem Thema widmen. Im Zentrum der Aktivitäten stehe die Verhüllung des Löwendenkmals, die am 1. und 2. September mit einem Friedensfest begangen wird. Über 230 Menschen aus der Region und ganz Europa hätten bereits die für die Verhüllung nötigen Woll-Elemente gestrickt und damit eine wichtige Zielrichtung des Projektes dokumentiert: Jeder Mensch müsse und könne sich engagieren, um Frieden zu bewahren. Sie dankte allen Förderern und beteiligten Institutionen, darunter besonders der Stadtbücherei, die der Veranstaltungsreihe ihren optimalen ersten Standort ermöglicht habe. Natürlich sprach sie auch Sophia Mott ihren Dank aus, die die Zuhörerschaft schon vorab an ihrem Roman teilhaben lies, der im Frühjahr 2019 veröffentlicht wird.
Die Autorin erläuterte, wie sie Martha Liebermann „kennenlernte“ und vor  einigen Jahren begann, sich für das Schicksal der Witwe Max Liebermanns  zu interessieren, die am 10. März 1943 den Freitod wählte, um Deportation und Vernichtung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Aus umfangreichen und detaillierten Recherchen, die Mott nicht nur sehr oft nach Berlin, sondern auch in die Schweiz und nach Schweden führten, entstand eine Romanform, in der sich die Autorin nicht nur der Protagonistin näherte, sondern auch den sie umgebenden historischen Charakteren und Geschehnissen. Eine gelungene und soghafte Mischung aus empathischer Innen-Ansicht und historisch-gesellschaftlichem, facettenreichem Tableau, die Liebermanns Leben in der es umgebenden, fürchterlichen Zeit eindringlich schildert. Die von Mott gewählten Kapitel der Lesung vermittelten einen guten Eindruck von ihrer Erzähl- und Sprach-Kunst, für die stellvertretend der Beginn der Lesung erwähnt werden soll: Parallel zum Buch setzte Mott mit einer Nacht im Oktober 1942 ein – Martha Liebermann ist 84 Jahre alt – in der die Autorin tief in das Seelenleben der Künstlerwitwe vordringt, die den Schlaf sucht und dabei angstvoll reflektiert. Eine Situation, die so nachvollziehbar ist, dass man sich unmittelbar an der Seite der Protagonistin fühlt. Im Buch werden auch die Menschen in den Focus gestellt, die Martha Liebermanns Rettung betreiben wollten und sich dadurch in Lebensgefahr begaben – darunter ein Unternehmer aus Fulda. In Rückblenden fächert Mott auch die Vergangenheit der Witwe an der Seite ihres Künstlermannes Max auf, erweckt so die ganze Familie zum Leben. Die Lesung wurde immer wieder von Erläuterungen der Autorin unterbrochen, die über ihre Recherchen zum jeweils gelesenen Schwerpunkt sprach, deren Detailliertheit einen enormen Zeitaufwand bedeutet haben muss. Dies steht aber auch für die sehr persönliche Beziehung, die die Autorin zu ihrer Protagonistin entwickelt hat: Eine große Verbundenheit mit der Figur und deren Schicksal, die der vermeintlichen Unbedeutsamkeit einer starken, mutigen Frau ein starkes, literarisches Erinnern entgegensetzt und sie somit dem Vergessen entreißt. Das Buch wird im Frühjahr 2019 bei Ebersbach & Simon erscheinen. Alle Infos zu „Nie wieder Krieg!“ unter www.niewiederkrieg.net